Fünf Jahre nach der Flut: Betroffene berichten von einem langen Weg zurück ins Leben
Hagen. Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hat die Diakonie Mark-Ruhr im Wichernhaus in Hagen Vertreter:innen der Diakonie Katastrophenhilfe, der Diakonie RWL und zwei Betroffene zu einem gemeinsamen Austausch begrüßt. Im Mittelpunkt standen die persönlichen Erfahrungen der Betroffenen sowie die Bedeutung langfristiger Unterstützung nach einer Katastrophe.
Markus Koth, Leiter der nationalen Katastrophenhilfe bei der Diakonie Katastrophenhilfe, erinnerte daran, dass über die Diakonie bundesweit rund 47 Millionen Euro an Spenden für die Fluthilfe eingegangen sind. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Diakonie Katastrophenhilfe, der Diakonie RWL und der Diakonie Mark-Ruhr vor Ort sei eine wichtige Grundlage dafür gewesen, Betroffene über Jahre hinweg begleiten zu können. Auch Matthias Börner, Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, hob die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor.
Wie wichtig diese Begleitung war, machten die Schilderungen von Julia Petzold und Claus Hegewaldt deutlich. Julia Petzold berichtete, dass sie wenige Monate nach der Flut ihr Zuhause verlassen musste und gleichzeitig Schwangerschaft, Studium und familiäre Belastungen bewältigen musste. „Das Schlimmste ist, nicht zu wissen, wie es weitergeht“, sagte sie. Die Unterstützung der Hochwasserhilfe habe ihr nicht nur bei Anträgen geholfen, sondern vor allem Mut gegeben: „Danke, dass ihr da wart und immer wieder nachgehalten habt.“
Auch Claus Hegewaldt, dessen Mehrgenerationenhaus in Hagen-Priorei überflutet wurde, erinnerte sich an die belastende Zeit nach der Flut. Fast vier Jahre habe es gedauert, bis alles wieder in Ordnung gewesen sei. Ohne die Unterstützung der Hochwasserhilfe hätte er den Antrag auf Wiederaufbauhilfe nach eigener Aussage nicht gestellt. Besonders bewegt zeigte er sich bis heute von der großen Hilfsbereitschaft vieler Freiwilliger – gerade auch junger Menschen.
Für Anette Becker und Rubina Fahad aus der Hochwasserhilfe der Diakonie Mark-Ruhr zeigt sich auch fünf Jahre später, wie wichtig persönliche Begleitung bleibt. „Viele Menschen möchten ihre Geschichte erzählen und brauchen dafür Raum. Den konnten wir ihnen geben“, sagt Anette Becker. Rubina Fahad betont, dass es sie bis heute motiviere, Betroffenen Hoffnung und Orientierung auf ihrem Weg zurück in den Alltag zu geben.
Martin Keßler, Direktor der Diakonie Katastrophenhilfe, unterstrich nach den Begegnungen in Hagen die Bedeutung langfristiger Hilfe: „Diese Gespräche zeigen, wie tief die Wunden von Katastrophen sitzen und wie wichtig verlässliche Unterstützung ist. Katastrophenvorsorge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können.“
Der Austausch machte deutlich: Fünf Jahre nach der Flut sind die Schäden vielerorts beseitigt – die Erinnerungen und die Folgen für viele Betroffene wirken jedoch bis heute nach. Umso wichtiger bleiben Menschen, die zuhören, begleiten und Perspektiven eröffnen. Das Projekt Hochwasserhilfe bei der Diakonie Mark-Ruhr konnte fünf Jahre nach der Flut planmäßig und erfolgreich abgeschlossen werden. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen zugleich, wie wertvoll eine langfristige und verlässliche Begleitung für Betroffene nach einer Katastrophe ist.
Bildzeile: Trafen sich anlässlich des fünften Jahrestags der Flutkatastrophe im Hagener Wichernhaus der Diakonie Mark-Ruhr zum Austausch (v.l.n.r.): Claus Hegewaldt, Julia Schaaf (Diakonie RWL), Markus Koth (Diakonie RWL), Rubina Fahad (Diakonie Mark-Ruhr), Martin Keßler (Direktor Diakonie Katastrophenhilfe), Matthias Börner (Geschäftsführung Diakonie Mark-Ruhr), Julia Petzold, Anette Becker (Diakonie Mark-Ruhr), Carsten Voswinkel (Diakonie Mark-Ruhr) und Kirsten Schwenke (Juristische Vorständin Diakonie RWL).




