Diakonie Mark-Ruhr
Diakonie

„Ein Stück meines Lebens“ – 25 Jahre Mittagstisch MahlZeit in Schwelm: Im Gespräch mit Doris Bachler, Ehrenamtliche der ersten Stunde


Schwelm. Wenn sich dienstags um die Mittagszeit die Türen des Petrus-Gemeindehauses öffnen, gehört ein freundliches Lächeln immer dazu: Doris Bachler begrüßt die Gäste am Eingang, nimmt den kleinen Kostenbeitrag entgegen und sorgt dafür, dass sich jeder willkommen fühlt. Seit 25 Jahren engagiert sich die heute 85-Jährige beim Mittagstisch MahlZeit – einem Gemeinschaftsprojekt der Evangelischen Kirchengemeinde Schwelm und der Diakonie Mark-Ruhr.

„Pastor Schmidt hat mich damals angesprochen“, erinnert sich Doris Bachler an die Anfänge zum Jahrtausendwechsel. „Ich war gerade in Rente gegangen – mein letzter Arbeitstag bei der Sparkasse war am 30. Dezember 1999 – und suchte nach einer neuen Aufgabe. Da kam das Projekt MahlZeit genau richtig. Der Übergang vom Berufsleben ins Ehrenamt war für mich nahtlos.“

Von den ersten Anfängen bis heute

Als der Mittagstisch damals startete, war vieles noch ganz neu. „Wir waren rund 20 bis 25 Ehrenamtliche, es gab Einsatzpläne, und wir mussten uns erst einspielen“, erzählt sie. Heute ist aus dem einst wechselnden Kreis ein festes Team geworden: „Jetzt sind wir etwa acht bis zwölf Personen, die verbindlich und kontinuierlich dabei sind. Wir arbeiten Hand in Hand – das macht Freude.“

Auch das Publikum hat sich im Laufe der Jahre verändert. „Früher kamen eher Menschen, denen man ihre Not auch ansah – die Kleidung, das Auftreten, das war oft deutlich“, berichtet Doris Bachler offen. „Heute steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Viele der Gäste sind auch Rentnerinnen und Rentner mit kleinem Einkommen, Besucher:innen der Wohnungslosenhilfe oder andere kommen einfach, weil sie Gesellschaft suchen. Ob jemand arm, alt oder vielleicht auch etwas wohlhabender ist – das spielt hier keine Rolle. Die Leute kommen, weil sie die Gemeinschaft suchen.“

„Man gibt etwas – und bekommt sehr viel zurück“

In den ersten Jahren half Doris Bachler direkt in der Essensausgabe mit, seit mehr als zehn Jahren sitzt sie an der Kasse am Eingang. „Ich mache das einfach sehr gern“, sagt sie mit einem Lächeln. „Man gibt etwas, aber man bekommt sehr, sehr viel zurück. Wenn ich mal aufhören müsste, würde mir wirklich etwas fehlen.“ Was sie motiviert, weiterzumachen? „Das tolle Team. Wir verstehen uns, arbeiten Hand in Hand, und jede und jeder bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein. Ich helfe in diesem Projekt gern – auch für mich selbst.“

Heike Orth, Mitarbeiterin der Diakonie Mark-Ruhr, begleitet das Projekt seit vielen Jahren und schätzt den Einsatz der Ehrenamtlichen sehr: „Ohne Menschen wie Doris Bachler gäbe es MahlZeit in dieser Form nicht. Ihr Engagement, ihre Verlässlichkeit und ihre herzliche Art prägen das Miteinander ganz entscheidend.“

Ein Ort der Begegnung

Der Mittagstisch MahlZeit ist weit mehr als ein günstiges Mittagessen. Es ist ein Ort, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und sich gegenseitig wahrnehmen. „Es geht immer um Gemeinschaft“, betont Heike Orth. „Viele unserer Gäste kennen sich inzwischen seit Jahren, es sind richtige Stammgäste geworden. Wenn das Angebot wegfallen würde, würde für viele etwas ganz Wichtiges fehlen – Struktur, Vertrautheit, Geselligkeit. Das sind Dinge, die vielen Menschen sehr wertvoll sind.“

Kirche und Diakonie Hand in Hand

Dass MahlZeit als Kooperation von Kirchengemeinde und Diakonie funktioniert, ist für Doris Bachler selbstverständlich. „Kirche und Diakonie gehören für mich zusammen“, sagt sie. „Wir erleben das Miteinander sehr positiv. Wir haben Freiräume, aber auch einen klaren Rahmen. Es ist wirklich ein Projekt, das Hand in Hand läuft.“ Angefangen hat alles im alten Johannes-Gemeindehaus, später zog der Mittagstisch ins Petrus-Gemeindehaus um. Dort findet er bis heute von Oktober bis März einmal wöchentlich statt – getragen von Spenden und von Menschen, die sich mit Herz und Zeit einbringen.

„Der Mittagstisch ist ein Stück meines Lebens“

Wenn Doris Bachler auf die vergangenen 25 Jahre zurückblickt, spürt man ihre Dankbarkeit. „Der Mittagstisch ist ein besonderes Stück meines Lebens“, sagt sie leise. „Ich habe hier viele schöne Begegnungen erlebt, viele Menschen kennengelernt – Gäste wie Helfer. Und ich wünsche mir, dass es weitergeht.“

Ihr Wunsch für die Zukunft ist klar: „Wir brauchen neue, jüngere Ehrenamtliche, die nachrücken und im Ehrenamt Sinn erkennen und fühlen. Da bin ich manchmal skeptisch – aber ich hoffe, dass es gelingt. Ich hab früher in Lohn und Brot gestanden und mich trotzdem ehrenamtlich engagiert. Sicher hat sich einiges verändert. Das positive Gefühl, mit dieser Arbeit im Team gesellschaftlich etwas zurückzugeben und davon auch selbst zu zehren, ist in all den Jahren aber immer dasselbe geblieben.“

---

Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit beim Mittagstisch MahlZeit hat, kann sich gerne bei Heike Orth (Diakonie Mark-Ruhr) melden:

Tel. 02336 / 6001


Bildzeile: Doris Bachler (zweite von rechts) und das ehrenamtliche Team des Mittagstisches MahlZeit – jeden Dienstag sorgt es für eine warme Mahlzeit und Begegnung in freundlicher Atmosphäre.