250 Jahre EJH: „Dialog im Nadelöhr“ bringt Jugendliche und Museum zusammen
Iserlohn. Wie sah der Alltag arbeitender Kinder während der Industrialisierung in Iserlohn aus – und warum ist Kinderarbeit bis heute ein globales Thema? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 35 Teilnehmende – interessierte Bürger:innen und Jugendliche – beim „Dialog im Nadelöhr – Jugend trifft Museum“, zu dem die Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen (EJH) gemeinsam mit dem Jugendkulturcafé YOU und dem Nadelmuseum der Stadt Iserlohn eingeladen hatte.
Die Veranstaltung war Teil der Jubiläumsreihe „Jugendhilfe im Dialog“ anlässlich des 250-jährigen Bestehen der EJH. Das Nadelmuseum bot dabei den idealen Rahmen, um die Geschichte der Iserlohner Nadelindustrie und die damit verbundenen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kindern und Jugendlichen während der Industrialisierung erlebbar zu machen. Gleichzeitig richtete die Veranstaltung den Blick auf aktuelle Formen von Kinderarbeit weltweit und die Verantwortung, die wir als Gesellschaft und Konsument:innen heute tragen.
An drei interaktiven Stationen setzten sich die Teilnehmenden mit dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Bei einer praktischen Übung mussten sie – angelehnt an die Arbeit in der damaligen Nadelproduktion – unter Zeitdruck Streichhölzer als symbolische „Nadeln“ in kleine Tüten verpacken und konnten so die eintönige Akkordarbeit nachempfinden. Anschließend verglichen sie ihre eigenen Wochenpläne mit dem Alltag von Waisenkindern vor rund 200 Jahren und diskutierten Kinderarbeit in heutigen globalen Lieferketten. Die Gedanken und Ergebnisse der Gruppen wurden an jeder Station auf großen Papierbögen festgehalten und ergaben am Ende ein gemeinsames Bild der Diskussionen.
Den Abschluss bildete ein Rundgang durch das Nadelmuseum mit Museumsleiterin Dr. Sandra Hertel. Historische Exponate, Bilder und Dokumente veranschaulichten die zuvor erarbeiteten Inhalte und sorgten insbesondere beim Vergleich zwischen den eigenen Vermutungen und den tatsächlichen Lebensbedingungen der damaligen Waisenkinder für nachdenkliche Gespräche.
Auch das sommerliche Wetter trug zur guten Atmosphäre bei: Eine Slush-Eis-Maschine sorgte für eine willkommene Erfrischung und bot zusätzlich Gelegenheit für den offenen Austausch.
Die Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen zieht eine durchweg positive Bilanz. Die gelungene Verbindung von historischer Bildung, aktiver Beteiligung und aktuellem gesellschaftlichem Bezug zeigte eindrucksvoll, wie Geschichte zum Ausgangspunkt für den Dialog über Verantwortung, Kinderrechte und eine gerechtere Zukunft werden kann.
Bildzeile: Beim gemeinsamen Rundgang durch das Nadelmuseum vertieften die Teilnehmenden die Inhalte der Workshops und erhielten Einblicke in die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kindern während der Industrialisierung in Iserlohn.




