Diakonie Mark-Ruhr
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Tag der Wohnungslosen: Die Wohnungsnot betrifft insbesondere Menschen mit besonderen Wohnbedarfen und in höherem Alter


Hattingen./Schwelm./Witten. Wohnungsnot betrifft Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen – besonders schwer wiegt sie jedoch für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und im höheren Alter. Anlässlich des bundesweiten Tages der wohnungslosen Menschen am 11. September macht die Diakonie Mark-Ruhr auf die zunehmenden Herausforderungen aufmerksam. Im EN-Kreis setzt sie dabei unter anderem auf das Projekt „Endlich ein ZUHAUSE!“, das an den drei Standorten Hattingen, Schwelm und Witten an die bestehenden Angebote der Wohnungslosenhilfe angebunden ist.

Der aktuelle Statistikbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zeigt, dass ältere Menschen zunehmend auf Unterstützung in Wohnungsnotfällen angewiesen sind. Gleichzeitig bleiben sie häufiger über längere Zeit wohnungslos und sind stärker von gesundheitlichen Belastungen und sozialer Isolation betroffen. Die BAG W fordert deshalb unter anderem einen Ausbau präventiver Hilfen sowie mehr bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum.

„Wohnungsnot beginnt häufig nicht erst mit dem Verlust der Wohnung“, sagt Caroline Wallraff, Ansprechpartnerin des Projekts „Endlich ein ZUHAUSE!“ in Hattingen. „Gerade bei älteren Menschen können Krankheit, finanzielle Schwierigkeiten oder der Verlust eines Partners schnell dazu führen, dass die eigene Wohnung nicht mehr gehalten werden kann.“

Gesundheit, Alter und Wohnungslosigkeit hängen eng zusammen

Diese Erfahrungen machen auch die Mitarbeitenden der Wohnungslosenhilfe im EN-Kreis. Die Jahresstatistik 2025 der Fachberatungsstellen in Witten, Hattingen und Schwelm weist einen Anteil von rund 17 Prozent Menschen ab 50 Jahren aus. Im Projekt „Endlich ein ZUHAUSE!“ liegt der Anteil bei 28 Prozent. Die älteste von Wohnungslosigkeit bedrohte Person war 87 Jahre alt. Dabei sind nicht nur ältere Menschen besonders betroffen. Auch jüngere und mittelalte Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen geraten überdurchschnittlich häufig in Wohnungsnot. Krankheit kann zu finanziellen Problemen führen und dadurch das Risiko eines Wohnungsverlustes erhöhen. Gleichzeitig wird die Suche nach einer neuen Wohnung schwieriger, wenn beispielsweise eine Erdgeschosswohnung oder barrierearmer Wohnraum benötigt wird. „Wir erleben immer wieder, dass Menschen dringend eine passende Wohnung benötigen, aber auf dem Wohnungsmarkt kaum etwas finden, das zu ihrer gesundheitlichen und persönlichen Situation passt“, berichtet Jörn Wegner vom Standort Schwelm. „Gerade kleine, bezahlbare Wohnungen oder Wohnungen ohne Treppen sind besonders schwer zu finden.“

Prävention kann Wohnungslosigkeit verhindern

Genau hier setzt „Endlich ein ZUHAUSE!“ an. Die Landesinitiative, gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW und die Europäische Union, soll insbesondere drohenden Wohnungsverlust verhindern und wohnungslose Menschen wieder in regulären Wohnraum vermitteln. Im Bereich der Prävention wurden durch das Projekt zwischen dem 1. April 2022 und dem 30. Juni 2026 296 Haushalte mit insgesamt 590 Personen beraten. Bei 158 Haushalten mit 311 Personen konnte Wohnungslosigkeit verhindert werden. Bei 121 Haushalten mit 247 Personen ist der Ausgang noch offen, lediglich bei 17 Haushalten mit 32 Personen konnte der Wohnungsverlust nicht verhindert werden. „Wenn eine Kündigung auf dem Tisch liegt oder Mietschulden entstanden sind, zählt häufig jeder Tag“, sagt Yvonne Temminghoff, Projektkoordinatorin „Endlich ein ZUHAUSE!“ bei der Diakonie Mark-Ruhr, die am Standort Witten arbeitet. „Dann geht es nicht nur darum, einen Antrag auszufüllen. Wir müssen gemeinsam schauen: Was ist passiert? Welche Unterstützung gibt es? Wie lässt sich die Wohnung sichern? Und wenn das nicht mehr möglich ist, wie finden wir möglichst schnell eine neue Perspektive?“

Die Arbeit ist dabei häufig zeitintensiv. Gerade die akute Vermeidung eines Wohnungsverlustes lässt sich neben der regulären Beratung in den Fachberatungsstellen aufgrund der hohen Zahl an Hilfesuchenden nur schwer leisten. Das Projekt „Endlich ein ZUHAUSE!“ bildet deshalb eine wichtige Ergänzung der bestehenden Strukturen.

Drei Standorte, ein gemeinsames Ziel

Die Diakonie Mark-Ruhr betreibt Fachberatungsstellen der Wohnungslosenhilfe und Angebote des Ambulant Betreuten Wohnens an fünf Standorten in Witten, Hattingen, Schwelm, Iserlohn und Hagen. An allen Standorten außer Hagen ist das Projekt „Endlich ein ZUHAUSE!“ angebunden.

Die enge Verbindung der Angebote ist dabei ein entscheidender Vorteil. „Wir können die Menschen dort abholen, wo sie gerade stehen“, erklärt Ina Reyer, Projektmitarbeiterin aus Hattingen. „Manchmal geht es zunächst darum, einen drohenden Wohnungsverlust abzuwenden. In anderen Fällen braucht jemand eine intensive sozialarbeiterische Begleitung oder Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Wohnung.“ Das Projekt übernimmt dabei unter anderem Wohnraumsicherung, Wohnraumakquise und Wohnraumvermittlung und bietet niedrigschwellige sowie aufsuchende Unterstützung. Die Mitarbeitenden arbeiten eng mit den Fachberatungsstellen, dem Ambulant Betreuten Wohnen, Kommunen und weiteren Partnern zusammen.

„‚Endlich ein ZUHAUSE!‘ hat sich zu einem wichtigen Baustein der örtlichen Wohnungsnotfallhilfe entwickelt“, sagt Heidrun Schulz-Rabenschlag, Prokuristin der Diakonie Mark-Ruhr und Fachbereichsleitung Soziale Dienste. „Die Erfahrungen zeigen, dass Prävention, Wohnraumsicherung und -vermittlung besonders wirksam sind, wenn sie eng mit den bestehenden Fachberatungsstellen und dem Ambulant Betreuten Wohnen verzahnt sind.“ Gerade diese Verzahnung ermöglicht es, Menschen frühzeitig zu erreichen, Hilfen individuell zu planen und Unterstützung auch über den akuten Wohnungsnotfall hinaus sicherzustellen. Aus Sicht der Diakonie Mark-Ruhr ist es deshalb entscheidend, die bewährten Strukturen und Angebote auch über die Projektlaufzeit hinaus zu erhalten.

Mehr als die Suche nach einer Wohnung

Die Erfahrungen der Diakonie Mark-Ruhr zeigen: Wohnungslosigkeit ist häufig Ausdruck einer vielschichtigen sozialen Notlage. Umso wichtiger sind niedrigschwellige und fachlich fundierte Hilfen, die sich am individuellen Bedarf orientieren. „Unser Ziel ist nicht nur, eine Wohnung zu vermitteln“, betont Yvonne Temminghoff. „Es geht darum, gemeinsam mit den Menschen eine Perspektive zu entwickeln, die auch langfristig trägt.“

Die Diakonie Mark-Ruhr arbeitet dabei eng mit dem EN-Kreis und den Kommunen zusammen, um wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen zu unterstützen. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an bezahlbarem, altersgerechtem und barrierearmem Wohnraum hoch. „Beratung kann viel bewirken – sie kann aber fehlenden Wohnraum nicht ersetzen“, fasst Yvonne Temminghoff zusammen. „Deshalb brauchen wir beides: frühzeitige, gut erreichbare Unterstützung und mehr Wohnraum, der auch für Menschen mit kleinen Einkommen und besonderen Bedarfen bezahlbar ist.“

 

Bildzeile: Die Ansprechpartner:innen des Projekts „Endlich ein ZUHAUSE!“ im EN-Kreis setzen sich gemeinsam dafür ein, drohende Wohnungslosigkeit frühzeitig zu verhindern und Menschen mit besonderen Wohnbedarfen neue Perspektiven zu eröffnen (v.l.): Yvonne Temminghoff (Projektkoordinatorin / Witten), Jörn Wegner (Schwelm), Caroline Wallraff und Ina Reyer (beide Hattingen).

 

Kontakt und Ansprechpartner:innen im EN-Kreis:

Hattingen – „Endlich ein ZUHAUSE!“

Caroline Wallraff
Augustastr. 7, 45525 Hattingen

Mobil: 0160 98203369
caroline.wallraff@remove-this.diakonie-mark-ruhr.de 

und

Ina Reyer
Augustastr. 7, 45525 Hattingen

Mobil: 0160 99280906
ina.reyer@remove-this.diakonie-mark-ruhr.de 


Schwelm – „Endlich ein ZUHAUSE!“

Jörn Wegner
Kaiserstr. 55–59, 58332 Schwelm

Mobil: 0151 20244723
joern.wegner@remove-this.diakonie-mark-ruhr.de 


Witten – „Endlich ein ZUHAUSE!“

Yvonne Temminghoff (Projektkoordinatorin)
Röhrchenstr. 10, 58452 Witten

Mobil: 0151 22514757
yvonne.temminghoff@remove-this.diakonie-mark-ruhr.de