Diakonie Mark-Ruhr
gemeinnützige GmbH


Geschäftsstelle Hagen:
Martin-Luther-Straße 9-11
58095 Hagen

Telefon: 02331/3809-00
Telefax: 02331/3809-09

Geschäftsstelle Iserlohn:
Bodelschwinghstraße 1
58638 Iserlohn

Telefon: 02371/772-0
Telefax: 02371/772-220

Ambulante Pflege

Diakonie-Geschäftsführer Dirk Bobe mit drei Generationen Fachbereichsleitung Ambulante Pflege (v.l.n.r.) Regina Mehring, Roswitha Dodt und Bettina Blome.

Abschied von Roswitha Dodt

„Wir sind dazu da, den Menschen das Leben daheim zu ermöglichen – nicht dazu, ihnen unsere Vorstellung vom Leben aufzudrücken!“ Roswitha Dodt ist in der Ambulanten Pflege in Hagen eine Frau der ersten Stunde. Anfang der 80-er Jahre begannen die Wohlfahrtsverbände mit dem systematischen Aufbau professioneller ambulanter Pflegedienste. Die Diakonie startete mit zwei Stationen in Haspe und in der Hagener Innenstadt. Mit dabei: Eine junge Kinderkrankenschwester aus Kiel, die nach einer kurzen Elternzeit wieder in den Job zurück wollte. 30 Jahre später blickt Roswitha Dodt als Fachbereichsleiterin zum Abschied auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück.

Ambulante Pflege - das war in jenen Jahren Pionierarbeit, noch weit entfernt von Pflegeversicherung und Modulen. Diakonissen hatten zunächst im Auftrag der Kirchengemeinden Hausbesuche übernommen und dabei Alte und Kranke versorgt. Doch die Anforderungen stiegen – qualitativ und quantitativ. Pflegefachpersonal musste her. Mit neun Kollegen ging die Diakoniestation Hagen 1981 an den Start – mit ihrer halben Stelle versorgte Roswitha Dodt damals vier bis fünf Patienten pro Tag. „Damals durfte man noch ohne die Uhr im Nacken arbeiten - Grund- und Behandlungspflegen dauerten zwischen einer halben und eineinhalb Stunden“, erinnert sich Roswitha Dodt.

Mit der Pflegeversicherung kamen Mitte der 90-er Jahre die privaten Mitbewerber – und die Dokumentationsmappen. Die Patienten wurden zu Kunden, die eine Dienstleistung einkaufen; Standards sorgen seither für eine Vergleichbarkeit dieser Leistung und sichern die Qualität. Sie sorgen aber gleichzeitig dafür, dass sich das Verhältnis zwischen Pflege und ihrer Dokumentation verschoben hat.

Was sich für Roswitha Dodt nicht verändert hat, ist ihre Haltung zu diesem speziellen, manchmal sehr intimen Arbeitsfeld: „Wir müssen unter den Bedingungen arbeiten, die wir vorfinden“, betont sie. Waschschüsseln in der Küche, Wäsche, die nur einmal pro Woche gewechselt wird: „Akzeptanz ist das Wichtigste. Ich kann immer nur das tun, was der Patient auch zulässt…“

Nicht jeder Altenpfleger kommt damit klar, das hat Schwester Roswitha in den Jahren, als sie als Stationsleitung und später als Fachbereichsleitung auch Personalverantwortung hatte, oft gespürt. „Die körperliche und seelische Belastung ist enorm“, weiß die erfahrene Vorgesetzte.

Enge Badezimmer und tiefe Ehebetten, unzählige Treppenstufen und Autofahrten auch bei Eis und Schnee – das sind nur die äußeren Widrigkeiten, mit denen die Profi-Pfleger fertig werden müssen. Dazu kommt die emotionale Belastung, wenn Patienten allein leben, sich nicht helfen lassen wollen, Angebote nicht annehmen. „Gerade für Menschen der Kriegsgeneration ist es enorm wichtig, das Erreichte festzuhalten“, hat Roswitha Dodt in vielen Gesprächen erfahren. Ein Umzug in eine barrierefreie, kleinere Wohnung kommt da oft nicht in Frage: Lieber die Einbauküche behalten als Sozialkontakte…

Auch deshalb war es Roswitha Dodt immer wichtig, bei einem kirchlichen Träger zu arbeiten. In ihrer Zeit als Fachbereichsleitung baute sie ergänzende ehrenamtliche Besuchsdienste mit auf und schuf so kostenlose Angebote, die gerade den allein stehenden Senioren zur Verfügung stehen sollen. Dabei helfen oft die Kirchengemeinden, die Kollektenmittel zur Verfügung stellen und so nicht nur ideell, sondern auch finanziell ein wichtiger Partner der Diakonie sind. Auch Spezialangebote, etwa das kostenlose Pflegetelefon oder spezielle Betreuungsangebote für Demenzkranke, wurden in den zurückliegenden Jahren immer wichtiger. „Und dieser Trend ist noch nicht zu Ende.

Der Diakonie wird die leidenschaftliche Flohmarkt-Besucherin auch in Zukunft treu bleiben. „Erstmal freue ich mich auf mehr Zeit für die Familie und die Hobbys“, plant sie schon jetzt Reisen in die Heimat im hohen Norden. „Doch wer weiß, vielleicht organisiere ich irgendwann mal einen Diakonieladen zugunsten der Einrichtungen“, überlegt sie mit einem Schmunzeln, „Dort gibt es dann Haushaltsgegenstände, aber auch Kleidung und „Schönes“ für den kleinen Geldbeutel.“

Der nachfolgenden Generation wünscht Roswitha Dodt vor allem bessere Bezahlung und mehr Zeit für die eigentliche Pflege. „Menschen sind bereit, in der Autowerkstatt 70 Euro Stundenlohn zu akzeptieren – warum soll die Pflege zum Billiglohn arbeiten?“ fragt sie durchaus kritisch ein Umdenken in der Haltung an. Nur so könne man auch den Pflegenotstand in den Griff bekommen. „Wir müssen jungen Menschen vermitteln, dass Pflege ein Traumberuf ist.“ Und davon ist Roswitha Dodt auch nach mehr als 30 Berufsjahren überzeugt: „Es ist eine wunderschöner Aufgabe. Und man bekommt so unendlich viel zurück.“
 

mehr lesen...