Weihnachtsbrunch der Wohnungslosenhilfe Iserlohn: Austausch, Begegnung und Einblick in eine zunehmend komplexe Hilfelandschaft
Iserlohn. Mit einem gemeinsamen Weihnachtsbrunch hat die Wohnungslosenhilfe Iserlohn der Diakonie Mark-Ruhr am Mittwoch, 17. Dezember, ihre Klient:innen und Gäste zum Jahresausklang empfangen. In den Räumen der Beratungsstelle an der Trift kamen am Vormittag zahlreiche Besucher:innen zusammen – nicht nur zu dem gemeinsamen Brunch, sondern auch zu Begegnung, Austausch und Gesprächen über die aktuelle Situation wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen in Iserlohn.
„Der Weihnachtsbrunch ist für viele unserer Klient:innen ein besonderer Moment im Jahr – ein Ort der Wertschätzung und des Miteinanders“, sagte Angela Hendel, Beraterin bei der Wohnungslosenhilfe Iserlohn. „Gleichzeitig bot die Veranstaltung die Gelegenheit, auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen, mit denen wohnungslose Menschen – und auch wir als Hilfesystem – aktuell konfrontiert sind.“
Die beim Weihnachtsbrunch vorgestellten vorläufigen Zahlen für das Jahr 2025 verdeutlichten, dass der Unterstützungsbedarf weiterhin hoch ist. Insgesamt wurden bislang 615 Personen durch die Wohnungslosenhilfe Iserlohn beraten – ein Zuwachs von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 35 Prozent der Ratsuchenden waren jünger als 30 Jahre, der Frauenanteil stieg von 27 auf 29 Prozent. Etwa 33 Prozent der beratenen Personen verfügten über keine deutsche Staatsangehörigkeit, knapp 48 Prozent hatten einen Migrationshintergrund.
Ein besonderer Blick gilt immer den akut obdachlosen Menschen. Das sind die Menschen, die ohne Unterkunft auf der Straße leben sowie die in den Notunterkünften untergebrachten Obdachlosen. Sechs Prozent der Klient:innen lebten ohne Unterkunft auf der Straße, weitere fünf Prozent waren in Notunterkünften untergebracht – insgesamt also weiterhin über elf Prozent. „Auch wenn es sich um vorläufige Zahlen handelt, zeigen sie deutlich, dass die Zahl der akut obdachlosen Menschen weiterhin auf einem hohen Niveau liegt“, erklärte Stefanie Schulte aus dem Team der Wohnungslosenhilfe Iserlohn. „Daher sind wir sehr froh darüber, dass die Stadt Iserlohn die Unterkunftssituation obdachloser Menschen in diesem Jahr, gemeinsam mit uns und weiteren Netzwerkpartnern verbessert hat.“
Ein zentrales Thema beim Weihnachtsbrunch war erneut der weiterhin extrem angespannte Wohnungsmarkt. „Wohnraum für unsere Klient:innen zu finden, ist nach wie vor sehr schwierig“, sagte Stefanie Schulte. „Die Anhebung der Mietobergrenze für Einzelpersonen im Bürgergeld um lediglich neun Euro wird keine spürbare Entlastung bringen.“ Hinzu kommt, dass wohnungslose Menschen bei der Wohnungssuche häufig Diskriminierung erfahren. „Wohnungslosigkeit wird noch immer oft als persönliches Versagen gewertet – dabei handelt es sich um ein strukturelles Problem“, so Stefanie Schulte.
Vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung ergänzender Angebote und Projekte hervorgehoben. Das landes- und EU-geförderte Projekt „Endlich ein ZUHAUSE!“ leistet dabei einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Wohnungslosigkeit. „Gerade die aufsuchende Arbeit, die intensive Unterstützung bei der Wohnraumsuche und die enge Vernetzung im Hilfesystem und im Projekt mit der Stadt Iserlohn sind zentrale Bausteine, um Wohnungslosigkeit frühzeitig zu verhindern“, betonte Projektmitarbeiterin Tatjana Waßmuth von der Diakonie Mark-Ruhr.
Auch das Ambulant Betreute Wohnen wurde als unverzichtbarer Bestandteil der Hilfestruktur benannt. „Viele Menschen benötigen nach dem Einzug weiterhin eine enge Begleitung, um den hart erkämpften Wohnraum auch dauerhaft erhalten zu können“, erklärte Tanja Scheuermann. „Ohne diese Unterstützung besteht die Gefahr, erneut in Wohnungslosigkeit abzurutschen.“
Neben Klient:innen und Mitarbeitenden der Wohnungslosenhilfe nahm auch Superintendent Pfr. Oliver Günther vom Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn am Weihnachtsbrunch teil. Er begrüßte die Besucher:innen in einer kurzweiligen, persönlichen Ansprache - die bei den Besucher:innen sehr positiv aufgenommen wurde - und nutzte die Gelegenheit zum Austausch mit Gästen und dem Team. Musikalisch begleitet wurde die Feier auch in diesem Jahr von Joachim Braig, langjähriger Betreuer im Ambulant Betreuten Wohnen der Diakonie. Für das leibliche Wohl sorgte ein reichhaltiger Weihnachtsbrunch für alle Gäste der Veranstaltung.
Ebenfalls vor Ort waren Heidrun Schulz-Rabenschlag, Prokuristin und Fachbereichsleitung Soziale Dienste bei der Diakonie Mark-Ruhr, sowie Volker Holländer, kaufmännische Geschäftsführung der Diakonie Mark-Ruhr. Letzterer informierte sich vor Ort über die zunehmend komplexe Hilfelandschaft. Heidrun Schulz-Rabenschlag betonte: „Gerade in der Weihnachtszeit ist es wichtig, gesellschaftliche Verantwortung sichtbar zu machen. Der Weihnachtsbrunch hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig Solidarität, Respekt und ein verlässliches Hilfenetz für Menschen in existenziellen Notlagen sind. Wir helfen – aber immer auch unter Protest, weil es Aufgabe der Gesellschaft und Politik ist, Armut strukturell zu bekämpfen.“
Bildzeile: Das Team der Beratungsstelle für Wohnungslose der Diakonie Mark-Ruhr in Iserlohn gemeinsam mit Superintendent Pfr. Oliver Günther vom Ev. Kirchenkreis Iserlohn (rechts) und Prokuristin und Fachbereichsleitung Soziale Dienste von der Diakonie Mark-Ruhr, Heidrun Schulz-Rabenschlag (5. v.l.), beim diesjährigen Weihnachtsbrunch.




