Diakonie Mark-Ruhr
Diakonie

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Menschenhandel ist moderne Sklaverei und eine schwere Menschenrechtsverletzung


Hagen. Betroffene von Menschenhandel sind zum größten Teil Frauen und Mädchen aus Ost- und Südeuropa, Afrika, Asien, Lateinamerika aber auch aus Deutschland. Ihre oftmals bereits im Herkunftsland prekäre Situation und der Wunsch nach einem Leben ohne Gewalt und Armut werden von Menschenhändler*innen als Köder benutzt. Einige werden mit falschen Versprechungen, z. B. einer Arbeitsstelle oder einer Ehe-schließung, nach Deutschland gelockt.

Aufgrund fehlender Kenntnisse der deutschen Sprache, dramatisch schlechten (sozialen) Lebensbedingungen im jeweiligen Herkunftsland und später oft durch enorme Einschüchterung durch ihre Peiniger*innen sind diese Frauen und Mädchen besonders perspektiv- und schutzlos.  Opfer von Menschenhandel bekommen nur Schutz, wenn sie identifiziert werden können. Deshalb ist es den Mitarbeiter*innen der Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel der Diakonie Mark-Ruhr auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie sehr wichtig, ihren Einsatz zur Identifikation der Opfer beizubehalten.

Häufig gilt es zunächst, die aktuelle Lebenssituation der betroffenen Mäd-chen und Frauen existentiell abzusichern. So war es jüngst zum Beispiel möglich, durch eine Spende des Zonta Clubs aus Hagen, die Versorgung einer Frau, die kurz vor dem Lock-Down aufgenommen und unterge-bracht wurde, bis zu Gewährung von Leistungen zum Lebensunterhalt mit dem Nötigsten zu versorgen.

Zwangsprostitution ist oft unsichtbar und häufig mit Gewalt verbunden. „Auch während der Zeit des Lock-Downs waren wir kontinuierlich telefo-nisch erreichbar und haben mit engagierter Unterstützung von Sprach- und Kulturmittler*innen unsere Unterstützung weiter zugänglich gemacht“, berichtet Margarete Kummer von der Diakonie Mark-Ruhr. „Corona hat unsere Arbeit, die von persönlichem Kontakt und Nähe geprägt ist, allerdings verändert.“

„Die Betroffenen waren durch die Pandemie zusätzlich verunsichert und verstanden zunächst nicht, warum sie nicht zum Sprachkurs gehen oder ohne Anmeldung persönlich zur Sprechstunde kommen konnten“, sagt Franziska Lange, die ebenfalls in der Beratungsstelle für Opfer von Menschenschutz arbeitet. Während des Lock-Downs war für die dringlichsten Fälle ein Kontakt über eine Art Schleuse am Fenster der Beratungsstelle möglich. „Seit den Lockerungen der Coronaschutzverordnung haben wir wieder mehr persönlichen Kontakt zu den Frauen. Aber auf eine auf eine tröstende Umarmung, zum Beispiel nach einer polizeilichen Vernehmung oder nach einer Gerichtsverhandlung müssen wir, auch wenn es schwer fällt, verzichten.“

Aktuell befinden sich 34 Frauen mit 20 Kindern in der Betreuung der Diakonie Mark-Ruhr. Davon sind seit Mitte März bis heute 17 Frauen und 10 Kinder neu dazugekommen.

Die Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel der Diakonie Mark Ruhr in Hagen wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung.

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Margarete Kummer (links) und Franziska Lange sind die Ansprechpartnerinnen in der Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel in Hagen.