Diakonie Mark-Ruhr
Diakonie

Tag der Pflege: System Pflege stößt an seine Grenzen


Hagen. Immer mehr Menschen sind im Alter auf Pflege angewiesen. Doch das System stößt an seine Grenzen, „die Realität hat uns eingeholt“, findet Regina Mehring von der Diakonie Mark-Ruhr deutliche Worte. Sie ist Geschäftsführerin der Ev. Pflegedienste Mark-Ruhr gGmbH und der Diakonie Mark-Ruhr Pflege und Wohnen gGmbH und weiß wie kaum jemand anders, vor welchen täglichen Herausforderungen sie und ihre insgesamt 1.574 Mitarbeitenden (540 in der ambulanten Pflege und 1.034 in der stationären Pflege) stehen.

„Die Politik hat das Problem zwar erkannt, konnte aber die kritische Personalsituation in der Pflege bisher nicht lösen. Es bedarf einer auskömmliche Finanzierung der Ausbildung. Dazu gehört die angemessene Bezahlung der gut qualifizierten Lehrtätigkeit genauso wie eine für die neue Ausbildung passende Ausstattung der Pflegeschulen“, fasst sie eine Forderung der Diakonie Mark-Ruhr zusammen. „Wir haben viele Jahre vor diese Situation gewarnt. Wir leisten eine sehr gute Arbeit, mittlerweile müssen wir teilweise aber Patienten in der ambulanten Pflege ablehnen, weil wir nicht ausreichend Mitarbeitende haben.“ Und das nicht, weil die Diakonie Mark-Ruhr diese nicht einstellen möchte. „In einzelnen Regionen sind wir oft sehr lange auf der Suche nach zusätzlichen Pflegefachkräften.“ Und das, obwohl die Diakonie Mark-Ruhr attraktive Rahmenbedingungen bieten kann. „Wir haben eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation, wir bieten eine geregelte Arbeitszeit, Fort- und Weiterbildungen, Tariflohn, Sonderzahlungen und eine zusätzliche Altersvorsorge. Auch versuchen wir auf individuelle Bedürfnisse bei der Dienstplangestaltung einzugehen.“ Auch das Arbeitsklima sei gut: „Als Anerkennung für ihre gute Arbeit, haben die Teams unserer Diakoniestationen einen ‚Dankeschön-Bonus‘ erhalten, um gemeinsam etwas zu unternehmen.“

Auch räumt die Diakonie mit der Mär auf, Mitarbeitende seien schlecht bezahlt, „das gilt nicht für uns“, sagt Regina Mehring und nennt folgendes Beispiel: eine erfahrene, examinierte Pflegekraft verdient 3.348,35 Euro im Monat. Dazu kommt eine betriebliche, arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung von rund 170 Euro pro Monat, Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit  von durchschnittlich 200 Euro im Monat sowie eine jährliche Sonderzahlung (Weihnachtsgeld). Unterm Strich steht ein jährliches Bruttoeinkommen von rund 47.800 Euro (Vertrag BAT-KF). „Wir sind auf verschiedenen Wegen aktiv – analog und vor allem digital - um neue Mitarbeitende zu gewinnen“, so Regina Mehring.

 „Jeder von uns hat irgendwann mit Pflege zu tun: als Patient, Bewohner, Angehöriger, aber auch als Mitarbeiter in der Pflege. In den vergangenen Jahren hat sich die Pflege unaufhörlich verändert. Das muss sich allerdings auch in den Rahmenbedingungen wiederfinden, zum Beispiel in Form von Anerkennung von mehr Personal in den Pflegesätzen. Die Mehrkosten müssen durch die Pflegeversicherung kompensiert werden. Die Personalausstattung muss am tatsächlichen Pflegebedarf ausgerichtet werden und nicht an der Beitragssatzstabilität der Pflegeversicherung sowie der Kassenlage der Sozialhilfeträger.“ 

Ev. Pflegedienste Mark-Ruhr gGmbH:

  • 18 Diakoniestationen in vier Kirchenkreisen
  • Versorgung von insgesamt 4.093 Patienten
  • Ein Team von 540 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • 13.500 Kilometer, die unsere Diakoniestationen jeden Tag fahren

 

Diakonie Mark-Ruhr Pflege und Wohnen gGmbH:

  • 1.034 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • 1.036 Bewohnerinnen und Bewohnern in den Einrichtungen 
  • 39 Gäste in der Kurzzeitpflege