Diakonie Mark-Ruhr
Diakonie

Luthers Waschsalon: Seit 20 Jahren Hilfe für diejenigen, die auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen


Hagen. Das Konzept von Luthers Waschsalon mit seinen facettenreichen Hilfe-Angeboten von Notfallversorgung über Beratung bis hin zu einer zahnmedizinischen Versorgung ist in dieser Form in Deutschland vermut-lich einzigartig. Getragen von einem beispielgebenden ehrenamtlichen Engagement feiert die Einrichtung der Diakonie Mark-Ruhr in diesen Tagen ihr 20-jähriges Bestehen. Seit zwei Jahrzehnten ist die Diakonie somit bemüht, dass Menschen mit ganz vielschichtigen und besonderen sozialen Schwierigkeiten den Anschluss an die Gesellschaft nicht vollends verlieren.

Am Freitag (20. Oktober) fand in Luthers Waschsalon ein Empfang statt bei dem deutlich wurde, dass es nach wie vor gesellschaftliche Notlagen gibt, die das Angebot in dieser Form weiter notwendig machen. Der Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, Pfr. Martin Wehn, dankte in seinem Grußwort den vielen ehrenamtliche Engagierten, aber auch den anwesenden Politikern – wie dem Bundestagsabgeordneten René Röspel und dem stv. Hagener Oberbürgermeister Dr. Hans-Dieter Fischer - und den Wegbegleitern, die das Angebot seit Jahren unterstützen.

Vor 20 Jahren haben Diakonie und Stadtkirchengemeinde in Hagen das Projekt Luthers Waschsalon aus der Taufe gehoben. Im damaligen Gemeindehaus an der Lutherkirche wurde für durch Krankheit und Armut am Rande der Gesellschaft stehende Menschen eine Anlaufstelle geschaffen, die dazu beiträgt, den Anschluss an die Gesellschaft nicht zu verlieren. Die Nachfrage an Angeboten wie duschen, Wäsche waschen, der Kleiderkammer oder ein Frühstück einzunehmen, war von Beginn an hoch. „Sie stieg besonders, als 1999 auch das allgemeinmedizinische und 2006 das zahnmedizinische Angebot hinzukamen. Besonders bedeutend sind aber die Begegnungen der Menschen, auch mit den engagierten Ehrenamtlichen“, berichtet Leiterin Ilona Ladwig-Henning 

Ein Meilenstein in der Entwicklung der Einrichtung war der Umzug im Jahr 2010 an die Körnerstraße, an den Öffnungstagen suchen hier bis zu 150 Gäste Luthers Waschsalon auf. Zurzeit engagieren sich in den Bereichen Service, Friseur und Fußpflege sowie im medizinischen Angebot rund 30 Ehrenamtliche in Luthers Waschsalon. „Die Nachfrage an unserem Angebot ist nach wie vor sehr hoch, deshalb benötigen wir dringend weitere ehrenamtliche Unterstützung, gerade auch im medizinischen Bereich“, sagt Ilona Ladwig-Henning. 

Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen sind aufgrund ihrer Lebensumstände in besonderer Weise gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Ihre persönliche Situation, ein oftmals verloren ge-gangenes Krankheitsbewusstsein sowie unterschiedlichste Zugangsbarrieren verhindern häufig die medizinische Versorgung im Regelsystem. „Deshalb bietet Luthers Waschsalon seit 1999 medizinische Hilfe an – auch getragen von ehrenamtlichen Engagement“, freut sich Geschäftsführer Pfr. Martin Wehn über den Einsatz der Mediziner. Einer von ihnen ist Dr. Hans Ritzenhoff, der das Angebot, das auf einer Kooperation mit den  allgemein- und zahnmedizinischen Fachbereichen  der Universität Witten/ Herdecke fußt, von Beginn an begleitet. „Die Nachfrage ist ungebrochen groß, wir helfen Menschen die auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen. Ohne Ansehen der Person, der Herkunft und des Geldbeutels“, betont der Zahnmediziner. Das Land Nordrhein-Westfalen hat diese Kooperation im Herbst 2015 als „Ort des Fortschrittes“ ausgezeichnet. 

„Die Patienten werden von erfahrenen Zahnärzten und Zahnmedizinstu-dierenden ehrenamtlich betreut.  Studierende der Zahn- und Allgemein-medizin im fortgeschrittenen Semester können hier unter Aufsicht prakti-sche Erfahrungen sammeln. Für Zahnmedizinstudierende ist die Teil-nahme an dem Projekt obligatorisch, viele kommen jedoch freiwillig öfter als sie müssen, da sie die Arbeit auch persönlich weiter bringt“, berichtet Studentin Helen Leupers. Dank freundlicher Sach- und Geldspenden verfügt die Einrichtung mittlerweile über ein grundlegendes zahnärztliches Repertoire an Instrumenten und Geräten, die die zahnärztliche Ver-sorgung bedürftiger sozialschwacher Patienten ermöglicht.

„Vor 20 Jahren hat sicherlich niemand mit der Entwicklung der Angebote in dieser Weise von Auf- und Ausbau sowie der heutigen Ausdifferenzie-rung gedacht“, zieht Heidrun Schulz-Rabenschlag, Leiterin der Sozialen Dienste bei der Diakonie Mark-Ruhr, Bilanz. Dies sei auf die traurige Tat-sache zurückzuführen, dass eine zunehmende Zahl von Menschen nicht an den positiven Wohlstandsentwicklungen in Deutschland beteiligt ist. So hätten die unteren 40 Prozent der Beschäftigten im Jahr 2015 real weniger verdient als Mitte der Neunziger Jahre.  „Solche Entwicklungen hängen einen großen Teil der Gesellschaft nicht nur finanziell ab, sondern verhindern auch andere wesentliche Teilhabe“, betont Heidrun Schulz-Rabenschlag. „Daher ist es unsere diakonische Aufgabe, mit und für die Menschen einzutreten, die mit ihrer Stimme nicht gehört werden, oder nicht mehr die Kraft haben, sich für ihre Interessen einzusetzen.“

Hintergrundinformationen zu Luthers Waschsalon:

  • Luthers Waschsalon, das bedeutet Pflege für Körper und Seele: Frühstück, Treffpunkt und Gespräche, Gelegenheit zu Kör-per- und Wäschepflege, Ersatzkleidung, allgemeinmedizinische und zahnärztliche Sprechstunde sowie Beratung und Gespräche.
  • Montags und donnerstags öffnet Luthers Waschsalon jeweils von 8.30 bis 11.30 Uhr und bietet dann Frühstück, medizinische und zahnmedizinische Hilfen sowie die Möglichkeit zur Körper- und Wäschepflege an.
  • Außerdem gibt es regelmäßig weitere Angebote wie eine Freizeitgruppe, einen Chor sowie eine Frauengruppe
  • Mit dem Arztmobil steht seit Dezember 2010 ein zusätzlicher niedrigschwelliger Baustein der medizinischen Versorgung zur Verfügung.
  • Seit November 2015 gibt es in Kooperation mit der Caritas und der Stadt Hagen auch ein medizinisches Angebot speziell für EU-Zuwanderer (aus Rumänien und Bulgarien).