Diakonie Mark-Ruhr
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Ferienprogramm zum Nulltarif

Montag, 15.08.2005

Jugendcafé Kabel erfüllt wichtige Aufgaben für den Stadtteil

Amrei Ackermann (re) malt mit zwei türkischen Mädchen. Für deren Familien ist es wichtig zu wissen, dass sie den Menschen in der diakonischen Einrichtung vertrauen können.

Mittwochnachmittag in Hagen Kabel. Sommerferien. Träge plätschert der Tag dahin. Es ist grau, an den strahlenden Sonnenschein der vergangenen Wochen erinnert nichts mehr. Auf dem Bolzplatz hängen ein paar Jugendliche herum, drei Kinder spielen auf einer Wiese, die die Bezeichnung Vorgarten nun wirklich nicht verdient. Die Krambergstraße unterscheidet sich im Sommer nur unwesentlich von anderen Jahreszeiten. Eigentlich ist alles wie immer.

Hier müssen keine Nachbarn die Blumen gießen, weil kaum jemand in Urlaub fährt. Wer hier wohnt, fliegt nicht unbedingt mit den Kindern in die Sonne oder schickt sie in Reiterferien. Und auch Angebote wie Urlaubskorb oder Ferienmaus, die die Stadt für Daheimgebliebene bereithält, sind für Amal, Julian oder Mizgin unerreichbar. Wie sollen sie in den Volkspark kommen, oder das Eintrittsgeld fürs Freilichtmuseum aufbringen?

Langsam biegt ein unscheinbarer Pkw in die Krambergstraße. „Manchmal wünsche ich mir eine Tarnkappe“, scherzt Amrei Ackermann, die am Steuer sitzt. Wie auf Kommando stürzen aus verschiedenen Richtungen Kinder auf uns zu, umringen den Wagen, versperren uns den Weg zur Eingangstür. Das Jugendcafé Kabel, eine Einrichtung des Diakonischen Werkes, ist an Tagen wie diesem besonders umlagert. Eigentlich öffnet es erst in einer Stunde. Doch gegen die Langeweile versuchen die Kids alle Tricks. „Kann ich ´was trinken?“ „Ich hab so´n Hunger!“, „Darf ich mal auf´s Klo…“

50 Kinder besuchen die Einrichtung regelmäßig, dazu kommen noch etwa 30 Jugendliche. Türken, Kurden, Italiener, einige wenige Russen und Polen, Albaner, Marokkaner – und ein paar deutsche Kinder sind auch darunter. Das Ferienprogramm, heute ist es Malen mit Straßenkreide, gibt es zum Nulltarif.

Der Kicker und die Spiele sind immer heiß begehrt bei den jüngsten Besuchern im Jugendcafé Kabel. Die Hausaufgabenbetreuung ist aber ebenso wichtig.

Geplant ist das Jugendcafe als Anlaufstelle für Kinder. „Aber irgendwann hat es sich ergeben, dass auch Erwachsene vorbeikamen, die Hilfe benötigen“, erinnert sich Amrei Ackermann. Etwa beim Ausfüllen von Formularen. Erst recht, seit es keinen Gemeinwesenarbeiter mehr im Stadtteil gibt. „Die Stelle wird nicht mehr finanziert“, bilanziert die Sozialarbeiterin nüchtern. „Wir versuchen aufzufangen, was geht.“

Eine gewaltige Aufgabe für zwei hauptamtliche Kräfte in Teilzeit. Das Jugendcafé öffnet an fünf Tagen in der Woche, jeweils ab 13 Uhr. Es gibt einen „ruhigen Nachmittag“, an dem gebastelt, gekocht oder am Computer gespielt wird. „Der offene Nachmittag ist unser wilder Tag“, so Amrei Ackermann. Bewegung ist angesagt, doch beim Fußball- oder Basketball spielen geht es nicht nur ums Austoben, sondern auch um Teamfähigkeit und Regeln. Zweimal pro Woche gehört der Nachmittag den Mädchen („Das ist vor allem für die muslimischen Familien sehr wichtig – da schicken wir sogar unseren ehrenamtlichen Betreuer Andreas nach Hause.“), einmal der Jungengruppe. Ein wöchentliches Frauenfrühstück und eine Hausaufgabengruppe runden das derzeitige Angebot ab.

Das Nachmittagsangebot ist speziell auf die Bedürfnisse der Sechs- bis 14-Jährigen abgestimmt. „Wer größer ist, oder sich größer fühlt, darf mit mir reden“, erklärt Amrei Ackermann lachend die Spielregeln. „Dann darf er vielleicht auch in den Abendbereich kommen.“

Trotz der regelmäßig hohen Besucherzahlen stand das Jugendcafé schon oft auf den Streichlisten der öffentlichen Mittel. „Es gibt ähnliche Angebote in Boele und Helfe“, weiß Amrei Ackermann. „Doch wie soll ein Siebenjähriger dort hin kommen?“ Der Aktionsradius der Kinder ergibt sich zu Fuß oder per Fahrrad von selber: „Die Schwerter Straße ist die Grenze, soweit dürfen die Kinder sich allein bewegen.“ Und auch für die älteren Besucher ist die Schwelle in die Nachbarstadtteile zu hoch.

Zimperlich dürfen die Mitarbeitenden der Jugendhilfeeinrichtung nicht sein. „Grenzen werden täglich neu ausgehandelt, Grenzüberschreitungen kommen vor“, so die nüchterne Bilanz von Amrei Ackermann nach fünf Jahren in Kabel. „Aber Angst hatte ich hier noch nie, auch nicht allein als Frau in den Abendstunden.“ Dennoch verlässt sie nun das Diakonische Werk, kehrt sogar Deutschland den Rücken. „Der Liebe wegen“, zieht es sie nach Schottland. Auf ihren Pkw werden die Kinder demnächst vergeblich lauern. Doch den der Nachfolgerin, Christine Carl, werden sie sicher schnell identifizieren…

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