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Gesunde Ernährung
Freitag, 19.06.2009
Gesunde Ernährung - ein Thema mit vielen Facetten in Kindertageseinrichtungen, Offenen Ganztagsgrundschulen und Jugendzentren
Eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und die Fähigkeit, mit Stress umzugehen, zum Beispiel in Konfliktsituationen, sind wesentliche Bausteine einer gesunden kindlichen Entwicklung. Forschungen belegen, dass alle drei Faktoren viel miteinander zu tun haben und sich wechselseitig beeinflussen.
Eine gesunde Ernährung bildet eine wichtige Grundlage für das kindliche Bewegungsverhalten: Indem sie alle wichtigen Nährstoffe bereitstellt, liefert sie dem Kind die nötige Energie, die es für seine täglichen Aktivitäten, für sein Spiel und seine Bewegung, braucht.
Innerhalb des ersten Lebensjahres entwickelt sich das Kind nicht nur von einem saugenden Säugling zu einem kauenden Kleinkind, sondern seine motorischen Fähigkeiten erweitern sich entwicklungsbedingt. Die Mahlzeiten werden fester in der Konsistenz und herzhafter im Geschmack. Mit zunehmendem Kauvermögen braucht das Kind regelmäßig feste, zum Kauen zwingende Nahrungsmittel. Sie fördert eine gute Gebissentwicklung und verhindert auch die Entstehung von Übergewicht.
Besonders in den ersten Lebensjahren wird das spätere Essverhalten entscheidend geprägt. Die in der Kindheit angenommenen Essgewohnheiten gehören zu den beständigsten Verhaltensweisen des Menschen überhaupt. Das Essen in der Gemeinschaft der Einrichtung ist in dieser Zeit ebenso prägend wie das Essen zu Hause. Der feste Mahlzeitenrhythmus, in den die jüngsten Kinder allmählich hineinwachsen, hilft, gewünschte Gewohnheiten leichter zu erlernen.
Durch regelmäßige Frühstückssituationen, gesunde Hauptmahlzeiten mit ungesüßten Getränken und gesunden Zwischenmahlzeiten werden die Kinder mit einer gesunden Ernährungsweise vertraut gemacht. Doch es gibt auch immer wieder Möglichkeiten, Kinderwünsche zu berücksichtigen und etwas Neues auszuprobieren, beispielsweise anlässlich von Kindergeburtstagen oder zu jahreszeitlichen Festen.
Gerade die gemeinsamen Mahlzeiten sind für das Zusammenleben von Kindern von großer Bedeutung. Sie können Momente der Ruhe und Entspannung im Tagesablauf sein, die den Tag gliedern.
Wichtige Erfahrungen in der Gemeinschaft werden durch Gespräche in einer gemütlichen Atmosphäre aufgearbeitet.
Tischkultur und Tischsitten lernen die Kinder am Vorbild der Erwachsenen und der älteren Kinder. Gegen Ende des ersten Lebensjahres ermöglichen wir den Kindern, allein zu essen und fördern hier schon ihre Selbständigkeit. Sie hantieren mit dem Löffel oder ergreifen die Nahrung mit den Fingern, während die Erzieherinnen mit einem zweiten Löffel zufüttern.
Wir geben vielfältige Gelegenheiten zum Ausprobieren, damit sich die manuellen Fertigkeiten und die Koordinationsfähigkeit entwickeln können. Dadurch be-greift das Kind auch sinnlich, was es isst.
In der Kita Haus Zoar und im Kinderhaus Arche werden die Kinder bereits ab dem 4. Lebensmonat aufgenommen.
So auch zum Beispiel Paul. Er wurde vor 9 ½ Jahren zu Anfang mit Milchpulver, später mit Gläschennahrung und bald schon, mit den ersten Zähnen, mit dem ganz normalen zerdrückten Mittagessen gefüttert. Er war ein sehr neugieriges Kind, was man auch an seinem Essverhalten merkte. Er probierte alles aus, entwickelte Vorlieben und mag bis heute noch am liebsten unsere Linsensuppe.
Vor dem Schulbesuch genießt er die entspannte Atmosphäre in der Kita und nutzt die frühe Morgenstunde für einen Plausch mit der Erzieherin. Dazu gehören für ihn sein heißer Lieblingstee und der Verzehr seiner obligatorischen Schlangengurke, auch wenn er schon zu Hause gefrühstückt hat.
Auch im Heilpädagogischen Kindergarten genießt gesunde Ernährung einen besonderen Stellenwert. Das zeigt sich schon beim Frühstück, das von den Kindern gemeinsam in den Gruppen eingenommen wird. Das Angebot ist vielfältig, damit die Kinder viele unterschiedliche Geschmackserlebnisse erhalten und auch die unterschiedliche Konsistenz von Nahrung im Mund kennen- und akzeptieren lernen.
Neben verschiedenen Brotsorten, Wurstaufschnitt, Käse, Honig und Marmelade wird immer auch mundgerecht geschnittenes Obst und Gemüse angeboten. Kinder mit Schluckproblematik erhalten püriertes Essen oder einen Brei.
Als Getränke stehen Tee und Wasser zur Verfügung, ergänzt durch Milch und gelegentlich Kakao. Einmal wöchentlich gibt es Müsli zum Frühstück. Neben der Nahrungsaufnahme ist die Frühstückssituation aber auch ein Ort der Kommunikation und der Persönlichkeitsbildung.
Die Kinder lernen Entscheidungen zu treffen, was und wie viel sie essen und trinken wollen. Nicht selten werden sie durch das Essverhalten der anderen Kinder am Tisch animiert, sich auf neue Nahrungserlebnisse einzulassen.
Sie lernen alleine zu essen und einen anderen um Hilfe zu bitten, wenn das Gewünschte am anderen Ende des Tisches steht. Wichtiger Bestandteil des Frühstücks und später auch des Mittagessens ist die anschließende Zahnpflege. Denn für gesunde Ernährung braucht man auch ein gesundes Gebiss.
Das Mittagessen wird von der Lehrküche des Diakonischen Werkes geliefert. Es ist eine gesunde Mischkost, die kindgerecht zusammengestellt und gewürzt ist.
Im offenen Ganztag bringen Schulkinder bereits eine Fülle von Essgewohnheiten mit, die zum Teil kulturelle Hintergründe haben, aber auch durch Essgewohnheiten in der Familie und das Essverhalten von Gleichaltrigen geprägt sind.
Fragt man heute Kinder im Grundschulalter „Welches ist deine Lieblingsspeise?“, bekommt man Antworten wie: „Pizza, Pommes und Hamburger“. Bei den Getränken stehen Cola und Limos an erster Stelle. Süßigkeiten und Chips in jeder Form ergänzen den Ernährungscocktail. Zusammengefasst bedeutet das: Kinder werden zu fett und zu zuckerhaltig ernährt, sie essen zu wenig Obst und Gemüse und bekommen zu wenig Milch und Milchprodukte.
Fehlt dann noch eine ausreichende Bewegung, sind die Auswirkungen auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit fatal. Immer mehr Kinder leiden unter Fettleibigkeit, gekoppelt mit Müdigkeit, Ausdauer- und Konzentrationsschwäche. Außerdem haben sie ein stark erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf- Beschwerden und Diabetes mellitus (Alterszucker) zu erkranken.
Vor diesem Hintergrund ist der offene Ganztag gefordert, mit seinem Angebot an Essen und Getränken auf die unterschiedlichen Bedarfe einzugehen, gesunde Alternativen aufzuzeigen und präventiv Aufklärung – auch in Absprache mit Schule am Vormittag - bei Eltern und Schülern zu betreiben.
Während der gesamten Öffnungszeit stehen für alle Kinder in ausreichender Menge ungesüßte Getränke bereit, wie beispielsweise Früchte- oder Kräutertee und Wasser. Das warme Mittagessen ist eine gesunde, abwechslungsreiche Mischkost und wird in der Ausbildungsstätte des Diakonischen Werkes täglich frisch zubereitet. Religiöse oder diätische Vorgaben werden bei der Gestaltung des Speiseplans berücksichtigt. Geschmacksverstärker kommen nicht zum Einsatz.
Die Angebote von Obst und Gemüse orientieren sich an den Jahreszeiten (Saisonobst und Saisongemüse). Eltern, die sich das kostenpflichtige Mittagessen nicht leisten können oder wollen, geben ihren Kindern in der Regel einen kalten Imbiss mit in die Schule.
Die Mitarbeiterinnen im offenen Ganztag ergänzen diesen Mittagsimbiss durch frisches Obst und Gemüse, das kindgerecht portioniert und angerichtet wird. Denn gerade bei Kindern isst das Auge mit.
Zum gesunden Essen gehört darüber hinaus aber auch eine ansprechend gestaltete Essenssituation, die es den Kindern ermöglicht, bewusst zu essen und die Nahrung nicht nur hinunter zu schlingen. Sie sollen ihre Mahlzeit in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre genießen können.
Die Kinder essen in festen Tischgruppen und übernehmen (auch) selbst Verantwortung für die Tischsituation. Sie helfen bei der Tischdekoration und sorgen im Wechsel für den Tischdienst. Beim Verteilen des Essens achten sie reihum darauf, dass auch für den letzten am Tisch noch eine Portion übrig bleibt.
Außerdem lernen sie Tischregeln einzuhalten, wie zum Beispiel „Wir beginnen alle gemeinsam zu essen“ oder „Wir essen mit dem Besteck.“ Die Mitarbeiter/-innen gehen mit gutem Beispiel voran. Sie essen gemeinsam mit den Kindern und ermöglichen und begleiten Tischgespräche.
Das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung wird durch gemeinsames Kochen mit den Kindern ergänzt und vertieft. Auf Elternabenden und Informationsveranstaltungen werden die Eltern über das Essensangebot in der Schule unterrichtet und über die Bedeutung einer gesunden Ernährung aufgeklärt.
