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Diakonie sucht ab sofort Ehrenamtliche für neuen Besuchsdienst

Donnerstag, 23.07.2009

"Viele pflegende Angehörige sehnen sich nach ein bißchen Hilfe", weiß Simone Kubitz, Leiterin der Diakoniestation Hagen-Mitte. "Nicht, weil sie sich drücken wollen, sondern weil sie mal vor die Tür gehen wollen und müssen." Das Pflegetelefon des Diakonischen Werkes sucht daher Menschen, die sich schulen lassen möchten, um gemeinsam einen ehrenamtlichen "Helferpool zur Entlastung pflegender Angehöriger" zu initiieren.

Die Veränderung begann schleichend. Zunächst war es nur ein oft verlegter Schlüssel, ein Name, der nicht sofort parat war, ein fragender Blick in den Küchenschrank: „Was wollte ich noch gerade holen?“ Dann kam die Wut dazu. Aus dem bisher so gutmütigen Menschen wurde ein unberechenbarer, zorniger Mann, der Frau und Kinder manchmal anschrie, manchmal stundenlang schwieg. Demenz. Sechs Prozent der über 65-Jährigen, 20 Prozent der über 80-Jährigen ist demenzkrank. Tendenz steigend. Schattenseite einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden. Für die Angehörigen bedeutet das Leben mit einem Demenzkranken eine dauernde Belastung – physisch und psychisch.

„Viele pflegende Angehörige sehnen sich nach ein bißchen Hilfe“, weiß Simone Kubitz, Leiterin der Diakoniestation Hagen-Mitte. „Nicht, weil sie sich drücken wollen, sondern weil sie mal vor die Tür gehen wollen und müssen.“ Das Pflegetelefon des Diakonischen Werkes sucht daher Menschen, die sich schulen lassen möchten, um gemeinsam einen ehrenamtlichen „Helferpool zur Entlastung pflegender Angehöriger“ zu initiieren.

Zeit – ein kostbares Gut, wenn man die Verantwortung für einen Demenzerkrankten übernommen hat. Mal einen kurzen Spaziergang machen, einen Friseurbesuch, oder sich mal mit einer Freundin treffen – Kleinigkeiten, die neue Kraft geben würden, wenn – ja, wenn man den Kranken in Obhut eines Menschen wüsste, dem man vertrauen kann.

„Wir suchen Menschen, die diesen Dienst am Menschen ehrenamtlich übernehmen wollen“, beschreibt Bärbel Gampf vom Pflegetelefon der Diakonie das ehrgeizige Projekt. Eingebettet in eine Gruppe, begleitet und betreut von Fachleuten, werden die Menschen, die dazu bereit sind, zunächst umfangreich geschult – gestartet werden soll am Dienstag, 22. September mit einem wöchentlichen, kostenlosen Angebot.

„Grundlagen der nonverbalen Kommunikation, Wissen über gerontopsychiatrische Erkrankungen, aber auch ganz praktische Hilfen wie Nahrung anreichen oder Gesprächsführung sollen hier vermittelt werden“, ergänzt ihre Hagener Kollegin Andrea Henneken. Dazu hat sie Referenten und Spezialisten gefunden, die die zehn Schulungseinheiten kompetent leiten werden. „Zehn bis zwölf Interessenten sollten es schon werden“, hofft die Sozialarbeiterin.

Wie gehe ich damit um, wenn ein erwachsener Mensch mit Papierkugeln wirft? Wenn er die Leberwurst nicht aufs Brötchen, sondern auf das Brettchen schmiert – und sich dann aggressiv über das harte Brot beschwert? Bärbel Gampf bleibt gelassen: „Das Wichtigste ist, keinen zusätzlichen Druck aufzubauen. Kritisieren oder gar reglementieren bringt gar nichts – nur Frust.“ Demenz bedeutet für die Betroffenen ausschließliches Leben im Hier und Jetzt – es gibt keine Vergangenheit mehr, und ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.

Vom Gespräch, über Fotoalben betrachten, gemeinsames Singen oder kleine Spaziergänge reicht die Palette der möglichen Aktivitäten, die den Erkrankten und den Ehrenamtlichen Lebensfreude geben sollen. Damit die Ehrenamtlichen Gelegenheit haben, sich auszutauschen, Fragen loswerden oder auch mal Frust, wird die Gruppe sich auch nach der Schulungsphase regelmäßig treffen. Wobei die Initiatoren Wert darauf legen, dass dieses Ehrenamt zwar verlässliche, verbindliche Menschen sucht, aber nicht dauerhaft binden will: „Ob man dem Umgang mit dementiell Erkrankten gewachsen ist, kann man nur durch Tun prüfen“, warnt Bärbel Gampf. „Selbst bei gutem Willen kann man nicht vorhersehen, ob man tatsächlich damit fertig wird.“

„Erfolge müssen in diesem Feld anders definiert werden“, weiß die die Altenpflegerin und Qualitätsmanagerin. „Denn hier geht es nicht ums Heilen; die Situation des Erkrankten verschlechtert sich.“ Das muss man aushalten können: „Man hat einen langen Abschied vor sich.“

Interessenten (maximal 15 Teilnehmer) können sich ab sofort bei Andrea Henneken und Bärbel Gampf vom Pflegetelefon des Diakonischen Werkes unter der Rufnummer 02331/333920 anmelden.

Der Kursus „Helferkreis für Ehrenamtliche- Umgang mit dementen Menschen“ startet am Dienstag, 22. September, um 16 Uhr in den Räumen des Pflegetelefons im Diakonischen Zentrum an der Lutherkirche, Martin-Luther-Straße 9-11, 58095 Hagen.

Der Kursus „Helferkreis für Ehrenamtliche- Umgang mit dementen Menschen“ startet am Montag, 28. September, um 16 Uhr in den Räumen des Pflegetelefons im St.-Georg-Gemeindehaus, Augustastraße 9 in Hattingen.

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